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Was brauchen wir Menschen, um uns lebendig zu fühlen, zu vertrauen, uns zu trauen, mutig zu sein sowie flexibel zu bleiben, um Wunder immer wieder aktiv in unser Leben einzuladen?

Unser Leben ist in vielen Bereichen so schnell und hektisch geworden, wir kommen kaum noch mit. Die Zeit flieht und wir mit ihr - wir fühlen uns wie gehetzt und funktionieren oft nur noch mechanisch. Wen wundert es, wenn das Staunen auf der Strecke bleibt. Die Sehnsucht nach bleibenden, wunderbaren Momenten, nach Gnade und Barmherzigkeit wird immer größer. 

Wir versuchen es immer heimeliger, kuscheliger in unseren Zuhause zu machen - und dennoch fühlen sich viele bedroht und unsicher. Wir flüchten in Arbeit, in die Umtriebigkeit. Wir dröhnen uns zu oder kapitulieren mit abgrundtiefer Erschöpfung.

Als Kinder und Kindeskinder der letzten Kriegsgeneration tragen wir noch schwer an den Altlasten von Scham, Schuld und Angst. Wir schauen entweder möglichst nur nach vorn oder halten oft ängstlich am Altvertrauten fest.

Gelassen im Hier und Jetzt zu leben, fällt den meisten von uns schwer.

Wir übergehen physische oder seelische Schmerzen, das Unangenehme soll möglichst schnell verschwinden, beißen die Zähne zusammen, machen unbeirrt weiter oder resignieren... Hauptsache, wir überleben.

Mit dem Überleben ist das allerdings so eine Sache, es kostet jede Menge Energie.

Die ständige Frage nach Freund und Feind hält unser zentrales Nervensystem im Dauerstress - selbst im Falle einer nur gefühlten oder eingebildeten Bedrohung werden im Bruchteil von Sekunden Botenstoffe aus der Amygdala, dem Mandelkern freigesetzt und unser Körper mit Emotionen überschwemmt.

Wir "erinnern" Situationen und erwarten eher das Altbekannte denn ein Wunder.

Uns DPG-Vorstandsfrauen beschäftigt gerade in diesen Tagen ganz intensiv die Frage, was wir als Menschen brauchen, unser Seele einen neuen Rahmen zu geben, um sowohl authentisch als auch empathisch unser Leben zu leben.

Welche Sehnsüchte wollen verstanden, welche Gefühle entdeckt, welche Gedanken zu Ende gedacht und was aktiv ins Leben gebracht, was losgelassen werden.

Wir sind uns sicher, wir brauchen das Gefühl von Stolz, Selbstachtung und -wirksamkeit, von Selbstliebe, um uns offen und liebevoll zu begegnen, um Wunder wahrnehmen und wertschätzen zu können.

 

"Er weiss, dass er nichts weiss,

wie alle andern auch nichts wissen,

nur weiss er was die anderen

und er noch lernen müssen.

 

Wer in sich fremde Ufer spürt,

und Mut hat sich zu recken,

der wird allmählich ungestört, 

von Furcht sich selbst entdecken.

 

Abwärts zu den Gipfeln

seiner selbst blickt er hinauf,

den Kampf mit seiner Unterwelt,

nimmt er gelassen auf.

 

Wer Schmetterlinge lachen hört,

der weiss wie Wolken schmecken,

der wird im Mondschein,

ungestört von Furcht,

die Nacht entdecken.

 

Der mit sich selbst in Frieden lebt,

der wird genauso sterben,

und ist selbst dann lebendiger,

als alle seine Erben."

 

Text von Carlo Karges/Novalis, 1973

 

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